Die moderne Landwirtschaft hat dazu geführt, dass er sein natürliches Zuhause - und damit Lebensräume sowie Nahrung - mehr und mehr einbüßen musste. Seit Jahrzehnten gehen die Bestände deswegen dramatisch zurück.
Wenn ein Feldhamster auf die Welt kommt, wiegt er gerade einmal drei bis sieben Gramm und ist damit so leicht wie eine Münze. Danach legt er rasant an Gewicht zu: Ausgewachsen bringt er laut der Deutschen Wildtierstiftung bis zu 600 Gramm auf die Waage - und damit das 120-fache seines Geburtsgewichts. Zum Vergleich: Ein Mensch wiegt bei der Geburt zwischen drei und vier Kilogramm – würde man dies mal 120 nehmen, wöge ein Erwachsener über 400 Kilogramm!
Merkmale

Feldhamster (lateinisch: Cricetus cricetus) werden bis zu 35 Zentimeter groß und 500 bis 600 Gramm schwer, vergleichbar mit Meerschweinchen. Ihr Rückenfell ist rostbraun, an Kopf und Seiten sind weiße Flecken, sie haben einen kurzen Stummelschwanz. Ihr Bauch ist schwarz mit weißen Rändern und sie setzen ihn ein, wenn sie Feinde vertreiben wollen. Dann richten sie sich auf, fauchen und zeigen ihn – es wird davon ausgegangen, dass Fressfeinde ihn als Rachen wahrnehmen und daraufhin die Flucht ergreifen.
Seine dehnbaren Hamsterbacken dienen dem Feldhamster als Einkaufs- und Transporttaschen und haben den Begriff „Hamstern“ geprägt. Sie nutzen sie um Nahrung für die Wintermonate in ihren Bau zu tragen; laut NABU können sie bis zu 50 Gramm darin unterbringen, was ungefähr zehn Prozent ihres Körpergewichts entspricht. Vergleicht man dies erneut mit dem Menschen, würde es bedeuten, dass dieser bei einem Körpergewicht von 75 Kilogramm etwa 7,5 Kilogramm in seinen Backen unterbringt – unvorstellbar.

Lebensraum und Nahrung
Da die Bestände in Deutschland seit den fünfziger Jahren laut „National Geographic“ um 99 Prozent zurückgegangen sind, wird nur noch von etwa 10.000 bis 50.000 Feldhamstern ausgegangen. In einigen Bundesländern sind sie aktuell ausgestorben, größere Vorkommen gibt es nur noch in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Kleinere Vorkommen leben in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern.
Feldhamster brauchen struktur- und artenreiche Ackerlandschaften mit tiefgründigen Böden und hohen Halmen. Nur hier finden sie ausreichend abwechslungsreiche Nahrung, Deckung vor Fressfeinden und Möglichkeiten, ihre ein bis zwei Meter tiefen Bauten zu graben. Dabei bewegen sie beachtliche Mengen an Erde. Die Sommerbauten haben oft mehrere Ein- und Ausgänge, die Winterbauten hingegen mehrere Kammern zum Schlafen, Koten und Lagern von Vorräten.
Hauptbestandteil der Nahrung von Feldhamstern sind Pflanzen, Felderzeugnisse und Kräuter aller Art. Sie nehmen aber gelegentlich auch tierisches Protein in Form von z. B. Insekten oder Schnecken zu sich, das sie vor allem für ausreichende Energie während der Jungenaufzucht benötigen. Bereits im Juli sammeln sie Getreide, Hülsenfrüchte, Stückchen von Rüben und Kartoffeln sowie Samen und legen sie als Wintervorräte an. Insgesamt benötigen sie für ihre sechs Monate Winterschlaf ein bis zwei Kilogramm Nahrung. In dieser Zeit wachen Feldhamster alle fünf bis 14 Tage auf und fressen. Ohne ausreichende Vorräte würden sie im Winter verhungern.
Lebensweise und Fortpflanzung
Feldhamster gelten als nachtaktive Einzelgänger, die ihr Revier vehement gegenüber Artgenossen verteidigen. In jedem Bau wohnt nur ein Tier, anhand der Anzahl der Bauten können somit Rückschlüsse auf die Populationsgröße in einer Region gezogen werden.
Nur während der Paarungszeit dürfen Männchen ihr Weibchen in ihrem Bau besuchen. Dieser Zeitraum fällt in die Sommerzeit und ist sehr kurz. Das liegt daran, dass der Reproduktionsdruck sehr hoch ist: Feldhamster haben viele Feinde, die Sterblichkeitsrate ist hoch. Deswegen müssen sie sich schnell und zahlreich fortpflanzen. Der Nachwuchs wird bereits nach 20 Tagen Tragzeit geboren und die jungen Weibchen werden noch vor dem Herbst geschlechtsreif, so dass sie sich – wenn es gut läuft – noch im gleichen Jahr ebenfalls fortpflanzen.
Laut der Deutschen Wildtierstiftung warfen Weibchen früher dreimal pro Saison sechs bis zehn Junge. Da sich die Lebensbedingungen für Feldhamster jedoch so massiv verschlechtert haben, werden diese Zahlen aktuell nicht mehr erreicht.
Gefährdung und Gefahren
Das Feld gab dem Feldhamster seinem Namen – und wird ihm laut National Geographic immer mehr zum Verhängnis. Er ist deswegen in seinem kompletten Verbreitungsgebiet – also West-, Ost- und Mitteleuropa sowie Russland – akut vom Aussterben bedroht. Deswegen wurde er im Jahr 2020 auf die höchste Kategorie der Roten Liste gesetzt.
Hauptgründe sind die Intensivierung der Landwirtschaft, Bodenversiegelung und Straßenbau. Dadurch gibt es nicht nur immer weniger Felder sondern diese bieten auch keinen geeigneten Lebensraum, keine Verstecke und keine ausreichende Nahrung mehr. Auch immer mehr Monokulturen werden zum Problem: Die Ernährung ist nicht mehr ausgewogen und es kann zu Störungen des Sozialverhaltens der Feldhamster kommen.
Mit dem Verbundprojekt „Feldhamsterland“ wurde ein einheitliches Schutzkonzept geschaffen, um die wenigen Feldhamster in fünf Bundesländern Deutschlands langfristig vor dem Aussterben zu bewahren und ihre Bestände zu stabilisieren. Es ist das deutschlandweit größte Projekt zur Rettung des Feldhamsters und wurde vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums im Bundesprogramm Biologische Vielfalt fünf Jahre lang (2018 bis 2023) gefördert. Ehrenamtliche nehmen dabei die aktuellen Bestände auf, in der Landwirtschaft sollen Maßnahmen umgesetzt werden, die „eine langfristige Koexistenz zwischen Feldhamster und Landwirtschaft“ ermöglichen.
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