Tierschutzverein Mechernich e.V.

Den Tieren eine Stimme geben

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Mechernich, 20.12.2013

Ein Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers vom 20.12.2013

In Mechernich: Kreistierheim in greifbarer Nähe

Das Mechernicher Tierheim beschäftigt seit Anfang Dezember eine Fachkraft und entspricht damit den gesetzlichen Regularien. Künftig könnte das Tierheim zentrale Anlaufstelle für Fundtiere aus dem Kreis werden.

 

Seit dem 1. Dezember arbeitet Tierpflegerin Steffi Grützemann in Mechernich.
Foto: Jochen Sprothen

von Joachim Sprothen

Kreis Euskirchen/Mechernich. Sie heißt Steffi Grützemann, wohnt in Köln und ist seit Anfang Dezember Angestellte im Mechernicher Tierheim. Die 27-Jährige hat den Beruf der Heim- und Pensionstierpflegerin von der Pike auf gelernt, war auf Jobsuche und bekam vom Tierheimchef Reiner Bauer zunächst einen Arbeitsvertrag auf Probe. Das klingt unspektakulär, rückt aber die Realisierung des Kreistierheims, über das seit Jahren debattiert wird, in greifbare Nähe.

Die elf Kommunen des Kreises Euskirchen sind nun in Zugzwang. Sie haben die Wahl, in einigen Monaten ohne Tierheim dazustehen und Fundtiere quasi in den Büros ihrer Ordnungsämter durchfüttern zu müssen, oder endlich in Sachen Kreistierheim zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Unbefriedigende Situation

Die bisherige Situation war absolut unbefriedigend. Es ist gesetzlich verankerte Aufgabe der Kommunen, sich um Fundtiere zu kümmern. Diese Verpflichtung haben Mechernich, Euskirchen, Weilerswist, Zülpich und Bad Münstereifel vertraglich an das Mechernicher Tierheim abgegeben. Jede Stadt und Gemeinde zahlte für Hunde und Katzen unterschiedliche Tagessätze. Allenfalls ein Drittel der jährlich angefallenen Unterhaltungskosten in Höhe von rund 140 000 Euro, wurde dadurch abgedeckt.

Die anderen Kommunen arbeiteten mit privaten Pflegestellen. Bauer musste zur Verärgerung von Tierfreunden, die aus dem Südkreis mit Fundkatzen oder -hunden in Mechernich anklopften, häufig eine Aufnahme ablehnen, "weil mir niemand die Kosten erstattet".

Sachkundiges Personal wird Pflicht

Dieser Praxis soll laut Kreisveterinär Dr. Jochen Weins ein Riegel vorgeschoben werden. Die Kreisverwaltung werde in Zukunft nur noch "rechtskonforme" Lösungen dulden. Was das bedeutet, hatte nach Auskunft des Kreisveterinärs der Vorstand des Tierschutzvereins (TSV) Kall unter Hinweis auf Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes in einem Schreiben deutlich gemacht. Tierheime müssten nicht nur Quarantäne-Stationen vorweisen und andere Bedingungen erfüllen, sie hätten vor allem sachkundiges Personal vorzuhalten. Der TSV Kall erfüllt diese Voraussetzungen nach Auffassung des Kreises selbst nicht. Die Verwaltung verweigerte die Genehmigung, die Neubauten der Kaller als Tierheim zu nutzen. Aber nach dem Motto "gleiches Recht für alle", wie Weins sagte, wurde auch Bauer die Auflage erteilt, eine sachkundige Kraft einzustellen. Die kann er nun mit Steffi Grützemann vorweisen.
Bauer hat aber deutlich gemacht, dass er neben der bisherigen Deckung des Defizits nicht auch noch die zusätzlichen Personalkosten aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen des TSV Mechernich bestreiten könne. Er hat eine Frist von wenigen Monaten gesetzt, bis zu der es zu einer Lösung kommen muss.

p038 0 38 02Tierheimchef Reiner Bauer
Foto: Jochen Sprothen

Grundsätzlich habe man in Gesprächen mit den Tierschutzvereinen und den Ordnungsämtern bereits Einigkeit erzielt, sagte Weins. Demnach werde Mechernich, das der einzige Anbieter gewesen sei, zentrale Anlaufstelle für alle Fundtiere aus dem Kreis. Ein Veterinär seiner Behörde nehme die Tiere in Augenschein und entscheide dann, ob sie fit genug seien, in einer Pflegestelle untergebracht zu werden, oder ob sie wegen der besseren Behandlungsmöglichkeiten in Mechernich zu verbleiben hätten.

Die Kosten - am besten nach Einwohnerzahl der Kommunen gestaffelt - seien dann dem Mechernicher Tierheim nicht mehr über Tagessätze zu erstatten. Die Kommunen müssten den tatsächlichen finanziellen Aufwand tragen. Und da sehe er, so Weins, den nachträglich geäußerten Wunsch der Kaller, doch wieder als anerkanntes Tierheim ins Boot zu kommen, mit Skepsis: "Da stets eine sachkundige Kraft zugegen sein muss, wird man in Mechernich noch eine zweite gelernte Pflegerin engagieren müssen. Wenn Kall auch noch hinzukäme, hätten die Kommunen vier zu bezahlen." Weins: "Natürlich nur die Städte und Gemeinden, die mitmachen.

Aber was wäre die Alternative? Da halt nur noch "rechtskonforme" Verträge gebilligt werden, müssten die Kommunen, die ausscheren, ihre Fundtiere in Tierheime nach Düren oder Köln bringen. Weins: "Ob das billiger wird als die Beteiligung an einem Kreistierheim, wage ich zu bezweifeln."

Zweifel äußerte auch Markus Schmitz-Bongard, der Vorsitzende des TSV Kall - allerdings an der Richtigkeit der Aussagen Weins': "Wir haben nie gesagt, dass wir nicht mitmachen wollen, übererfüllen die Anforderungen an sachkundiges Personal, aber der Kreis lässt uns seit Monaten in der Luft hängen."